COLCHESTER EXCHANGE - REVISITED

Geschrieben von Claudia Reinhardt.

Es wurde elf Uhr abends, bis der Bus mit den 46 Schülerinnen der Colchester County High School for Girls nach endlosen Staus endlich auf den Intersport- Parkplatz rollte. Aufgeregte Gastfamilien nahmen die Mädchen in Empfang, und innerhalb von 10 Minuten war der Parkplatz leer und die Gäste aus England starteten zusammen mit ihren Gastfamilien ins Wochenende. 

Die 'Bestandsaufnahme' der englischen Lehrerinnen Montag morgens ergab, dass alle müde, aber hoch zufrieden mit den Erlebnissen des Wochenendes waren. Offensichtlich standen Shopping in Frankfurt und der Besuch des Kletterparks hoch im Kurs; das Mathematikum hatte aber im Verlauf der Woche vermutlich auch erhöhte Besucherzahlen zu verzeichnen. Die Schülerinnen besuchten dann den deutschen Unterricht, wobei die Aufnahmekapazität so manchen Raumes gesprengt wurde und die Geduld manches Kollegen sicherlich auch. Physik in der Fremdsprache, die man erst zwei Jahre belegt und dann nur mit zwei Stunden pro Woche, ist aber auch einfach zu schwierig…
All dies gehört aber zum Austausch dazu: manchmal geordnetes Chaos, Improvisation, Beäugen der anderen Kultur, der Essens- und Lebensgewohnheiten und eben des Schullebens. Das klassische deutsche Pausenbrot, liebevoll mit Paprika und Gurke garniert, fand übrigens bei den englischen Schülerinnen viel Zustimmung, auch wenn die gewohnte Tüte crisps fehlte.

Aber es gibt ja noch mehr in Deutschland zu sehen, und deshalb besuchte die gesamte Gruppe am Dienstag Heidelberg und besichtigte das Schloss bei strahlendem Sonnenschein.

Heidelberg2015

Am Mittwoch fuhr die englische Gruppe nach Köln, wurde durch die Schokoladenwelt am Amazonas geführt und naschte sich am Schokoladenbrunnen des Schokomuseums durch.

Da das Abschneiden der englischen Schüler im nationalen Vergleich sehr wichtig für die Schulen ist, mussten alle am Donnerstag zwei Stunden lang Hausaufgaben erledigen (ja, liebe deutsche Schüler, die müssen das wirklich!). Übrigens wird dort jede Hausaufgabe in der Fremdsprache eingesammelt und verbessert und muss so lange berichtigt werden, bis keine Fehler mehr zu finden sind. Da klingt der eigenen Englischunterricht gar nicht mehr so schrecklich, oder?

Freitag früh, halb sieben, Parkplatz Intersport. Hier und dort fließen Tränchen, sogar auf Elternseite. Dann noch einmal winken, und schon ist der Bus aus England wieder verschwunden. Zurück zur Tagesordnung – oder?
Ich denke, dass Teilnehmer am Austausch Wünschenswertes gelernt haben, egal, ob sie in der Austauschpartnerin eine Freundin fürs Leben gefunden haben oder nicht. Sie haben gelernt, sich in einer Familie einzuleben und sich anzupassen. Sie haben sich in der Fremdsprache durchgeschlagen und entdeckt, dass sie mit ihrem Englisch überall klarkommen. Sie sind vielleicht hier und da an ihre Grenzen gestoßen oder haben das eigene Zuhause vermisst, weil es anderswo nicht so schön war – und vielleicht hat der eine oder andere doch eine Freundin gefunden, mit der man noch lange in Kontakt bleibt oder an die man sich zumindest immer gerne zurückerinnern wird. Wir hoffen, dass es möglichst vielen deutschen Schülerinnen und Schülern so ergangen ist.