Kleine Geschichte des musikalischen Schwerpunkts an der Liebigschule

 

Die Fachschaft Musik an der Liebigschule blickt auf eine lange Tradition zurück.

Schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gründete der damalige Musiklehrer Alwin Krumscheit ein Orchester, mit dem er sogar bereits Fahrten nach Spanien unternahm.

Mit dem Wirken seines Nachfolgers, OStR Dieter Niedecken, der an der Liebigschule von 1962 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990 die Geschicke des Faches Musik leitete, ist eine Vervielfältigung des musikpädagogischen Angebots und ein beachtlicher Zuwachs der musikalischen Aktivitäten verbunden.

Zunächst wirkte sich positiv aus, dass Dieter Niedecken die Schüler zum Erlernen von Orchesterinstrumenten animierte, und zwar durch persönliche Ansprache, aber auch durch die Bereitstellung von Leihinstrumenten und die Vermittlung von Privatunterricht. Unvergessen die Episode, als er zwei begabten Jungen, Zwillingen, die ihm auf der Blockflöte vorspielten, den Vorschlag machte, doch Kontrabass zu lernen. Von da an hatte das Schulorchester für etliche Jahre zwei Kontrabassisten, und beide pflegen dieses Hobby noch heute...

Dieter Niedecken legte die Grundstrukturen der Musik für die Liebigschule fest, wie sie seitdem unsere Arbeit prägen:

  • zwei Konzerte pro Schuljahr, eines jeweils mit mehr geistlichem und mehr weltlichem Inhalt,
  • mehrere Musikabende pro Schuljahr in der Aula als Vortrags-Plattform für solistische und Kammermusikbeiträge,
  • Ober- und Mittelstufenchor,
  • Arbeitstage für Chor und Orchester, anfangs in der Jugendherberge Limburg, später im Jugendhof Hoher Knüll Schwarzenborn,
  • Auslandsfahrten nach Spanien (erstmals 1974) und England (erstmals 1975),
  • Geigen-Gruppenunterricht als Grundlage für den späteren Erweiterten Musikunterricht,
  • Zusammenarbeit mit Privatlehrern für alle benötigten Instrumente,
  • ca. 1968 Einrichtung des Vororchesters als Einstieg in die Orchesterarbeit,
  • der jährliche Auftritt des Chores inklusive der Ehemaligen am Heiligabend im Zentrum für soziale Psychiatrie (heute Vitos-Klinik),
  • Anschaffung einer großen Zahl von Instrumenten für interessierte Schüler zum Ausprobieren und Ausleihen (zur Zeit ca. 80 Orchesterinstrumente aller Arten),
  • materielle Ausstattung (Notenständer, Noten, Klaviere, Percussionsinstrumente),
  • klassische Ausrichtung der Orchesterbesetzung einerseits und der Auswahl der zu erarbeitenden Musikstücke andererseits,
  • besondere Förderung der begabten Schüler durch die Möglichkeit, Solokonzerte mit dem Orchester zu spielen.

 

Höhepunkte dieser Entwicklung waren das Konzert zum 150. Schuljubiläum im Jahre 1987, als gemeinsam mit Chor und Orchester der (gleichaltrigen) Herderschule die "Carmina burana" komplett in der Orchesterversion gegeben wurden, und schließlich das Abschiedskonzert für Dieter Niedecken im Sommer 1990 mit dem ersten Teil der "Schöpfung" von Haydn. Tourneen nach Spanien wurden 1977, 1979, 1982, 1985, 1987 und 1990 unternommen, außerdem in 1986 eine zweite Fahrt nach Winchester.

Seit der Einrichtung des Kurssystems in der Oberstufe im Jahr 1974 konnte auf Grund der großen Zahl musizierender und begabter Schüler seit 1975 durchgängig Leistungskurse eingerichtet werden, die sich wiederum regelmäßig mit besonderen Konzerten und Aufführungen hervortaten. Auch Schülerkompositionen wurden aufgeführt.

Aus diesen Kursen sowie aus Orchester und Chor sind seitdem eine Reihe von Berufsmusikern hervorgegangen, die heute in deutschen Orchestern sitzen, auf zahlreichen Bühnen singen, Professoren und Dozenten für Musikwissenschaft sind oder als Musiklehrer ihre Erfahrungen weitergeben. Dass auch die Liebigschule selbst von dieser Tradition profitiert, zeigt sich daran, dass heute vier der hier tätigen Musikpädagogen ehemalige Liebigschüler sind.

In den 90er Jahren erweiterte sich die Palette des Musikangebotes, und Früchte der vorherigen Aussaat wurden sichtbar. Es gab mehrere gemeinsame Projekte mit der Kunstabteilung, und die Kammermusik wurde stärker fokussiert. Dies führte bis zur Teilnahme eines Streichquartettes mit Liebigschülern am Bundeswettbewerb "Jugend musiziert". Sogar ein Oboentrio und ein Blockflötenquartett gehörten zu den Bundessiegern, und bis heute sind die Teilnehmer der Liebigschule vor allem in den Regional- und Landeswettbewerben stark und erfolgreich vertreten.

Sodann rückte die Bigband ins Licht der Öffentlichkeit. Nach einem kurzen Auftritt beim Schulfest zum 150. Schuljubiläum 1987 begann im Jahr 1992 die kontinuierliche Arbeit der LieBigBand, welche ein jährliches Open-Air-Konzert im Rahmen des "Schiffenberger Sommers" einschließt, das sich mittlerweile zu einem Mega-Event für Schüler, Eltern, Lehrer, Ehemalige und Freunde entwickelt hat. Herausragend hier das 20. Konzert am 31. Mai 2013.

Schließlich wurde im Jahr 1991 der "Erweiterte Musikunterricht" (EMu) nach Zustimmung durch Kollegium, Eltern und SV eingerichtet. Hier wurden, zunächst ohne Unterstützung durch das Kultusministerium, spezielle Lerngruppen für solche Schüler gebildet, die ein (beliebiges) Instrument erlernen und sich besonders für das Fach Musik interessieren. In Ergänzung zu dem in der Stundentafel vorgesehenen Unterricht konnte ein durchgehender Kurs angeboten werden, in dem das praktische Musizieren eine starke Rolle spielte. Dieses Konzept entwickelte die Liebigschule als dritte Schule in Hessen und hat seitdem steigendes Interesse am Musikunterricht und am gemeinsamen Musizieren wecken können. Vor allem seit durch die Umstrukturierung von der Gesamtschule zum Gymnasium im Jahr 2001 nach 26-jähriger Unterbrechung wieder 5. und 6. Klassen an der Schule aufgenommen werden konnten, erlebte das Fach Musik auf diesem Gebiet geradezu einen Boom.

Die Chöre wurden nun in den Klassen 5 + 6, 7 + 8 und 9 - 13 zusammen gefasst. Insgesamt beteiligen sich in jedem Jahr über 300 Schüler an den Chorgruppen. Alle Chöre sind regelmäßig Teilnehmer und Preisträger bei verschiedenen regionalen Chortreffen wie dem Chorwettbewerb des "Lion's Club", bei der Begegnung "Schulen in Hessen musizieren" und sogar beim "Deutschen Chorwettbewerb" des Deutschen Sängerbundes 2008 in Bremen.

Im Zuge des G 8 - Angebotes werden seit 2013 die Chöre gestaffelt in die Jahrgänge 5 sowie 6/7 und schließlich 8-Q4. Nach der aus Sicht der Musik erfreulichen Rückkehr zu G 9 wächst die seither verlorenengegangene Jahrgangsstufe wieder heran, und es wird bald wieder zur früheren Einteilung zurückzukehren sein.

Im Schuljahr 2013/2014 wurde die Leistungsstärke des nun neu formierten Oberstufenchores (Kl. 8-Q4) unter Beweis gestellt durch den Gewinn des 1. Preises mit 21.2 Punkten beim 13. Hessischen Chorwettbewerb in Schlitz in der Kategorie D.2. Dadurch wurde ein Auftritt im Preisträgerkonzert im Sendesaal des Hessischen Rundfunks möglich und die Teilnahme am Deutschen Chorwettbewerb im Mai 2014 in Weimar. Auch dort wurde der Chor in der Konkurrenz mit den besten deutschen Jugendchören mit einer hervorragenden Wertung bedacht.

Das nächste Aufsehen erregende Projekt ergab sich aus der Partnerschaft mit dem Chor des Wyoming Seminary in Kingston/Pennsylvania unter der Leitung von John Vaida. Nach einem gemeinsamen Auftritt beim Konzert der Liebigschule in der Uni-Aula im Juni 2013 erfolgte die Gegeneinladung, die zu einer Konzertreise des Chors nach Pennsylvania im September 2014 führte.

Am 16. November 2014 sang der Chor im Deutschen Bundestag anlässlich des Volkstrauertages im Beisein des Bundespräsidenten Joachim Gauck, des Bundesratspräsidenten Volker Bouffier und der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Rahmen der vom ZDF direkt übertragenen Feierstunde trugen die 75 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler das "Ave verum" von Camille Saint-Saens, den Chorsatz "Bleib bei uns" von Josef Rheinberger und die Motette "Wie liegt die Stadt so wüst" von Rudolf Mauersberger vor.

Es war ein großes Glück für unsere musikalische Arbeit, dass die Schule 2002 zu den ersten gehörte, die den nun für Hessen neu geschaffenen Titel "Schule mit Schwerpunkt Musik" erhielten. Damit war nicht nur eine Erhöhung der Lehrerstunden verbunden, sondern eine rechtliche Absicherung und dauerhafte Garantie für die Durchführung dieses wichtigen Elements unserer Schulkultur. Bereits 2004 meldeten sich 76 Schüler zum Erweiterten Musikunterricht an, das heißt, dass etwa die Hälfte der Schüler des neuen Jahrgangs 5 ein Instrument erlernte. Nun musste man damit umgehen, dass sich in den Orchestern 20 Querflöten und 15 Klarinetten einfanden, dafür sind aber auch die selteneren Instrumente wie Oboe, Fagott, Horn, zeitweise sogar Harfe besetzt. In den Jahren 2009 und 2014 wurde der "Schwerpunkt Musik" durch Urkunde des Kultusministeriums erneut zertifiziert.

Gleichzeitig wurde die Einrichtung eines Förderkreises für die Musik an der Liebigschule möglich. Durch die nun gezielte Förderung der Wünsche und Bedürfnisse des Fachbereiches konnten weitere Instrumente angeschafft und das bestehende Instrumentarium besser gepflegt werden. Heute verfügen wir über Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe in verschiedenen Größen, über Flöte, Oboen, Klarinetten, Saxophone, Fagotte, Hörner, Trompeten und Posaunen, eine Tuba sowie ein großes Arsenal an Perkussionsinstrumenten, die den Schülern zur Verfügung gestellt werden.

Jeder Schüler, der am Erweiterten Musikunterricht teilnimmt, muss an einer Stunde des praktischen (instrumentalen) Musizierens teilnehmen. Die fortgeschrittenen Spieler besuchen das Vororchester; dieses wird ihnen als 3. Stunde angerechnet, die Anfänger auf den Streich- und Blasinstrumenten gehen in die entsprechenden Anfängerkurse. Darüberhinaus haben wir zwei Gitarren- und einen Perkussionsspielkreis eingerichtet, sowie seit 2 Jahren das besondere Konzept der "Arbeitsgemeinschaft Nicht-sinfonische Instrumente" (Keyboards, Klaviere, Akkordeon), damit auch die Klavierspieler, die in jeder Gruppe in größerer Zahl vorhanden sind, im Ensemble musizieren können. Dazu hat der Musik-Förderkreis 10 Keyboards gestiftet, und zur Zeit sind damit zwei Gruppen eingerichtet (-> Arbeitsgemeinschaften).

In den Klassen 8 und 9 findet der Erweiterte Musikunterricht einstündig statt. Sowohl die Teilnahme an diesem Fach sowie die Mitarbeit in Chor und Vororchester / Orchester können die Schüler sich als Wahlunterricht anrechnen lassen.

Beflügelt von dem starken Engagement der Elternschaft und einer bemerkenswerten Unterstützung durch die Schulleitung konnten sich die musikalischen Projekte der Musikabteilung in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiter entwickeln. Das Orchester reiste auch 1993, 1996, 1999, 2002, 2006, 2008, 2011 und 2015 nach Spanien. Konzertorte waren San Sebastian, Bilbao, Pamplona, Zaragoza, Barcelona, Salamanca, Madrid und Pinto. Höhepunkt war hier der Auftritt auf der EXPO in Zaragoza 2008 (-> Berichte). 1997 kam es zum bisher einzigen Gegenbesuch eines spanischen Chores aus Pinto bei Madrid und einem gemeinsamen Konzert in der Kongresshalle Gießen. Der Besuch des spanischen Orchesters "Camerata San Nicolás" aus Zaragoza in Gießen im Juni 2010 begründete eine neue hoffnungsvolle Verbindung.

Im Herbst 1990 gab der Chor ein Konzert in Altenburg/Thüringen, welches im Zuge der Wiedervereinigung auf Einladung von Frau MD Jahn, Ehrenberg, zu Stande kam. In der Schlosskirche kam Chor- und Orgelmusik zum Vortrag, u.a. Bachs Motette "Jesu meine Freude".

1992 wurde der Kontakt mit der Colchester County High School (England), der zunächst als Sprachaustausch zu Stande gekommen war, auf die Orchester der beiden Schulen ausgedehnt. So kam es 1992, 1996, 2000, 2004 und 2009 zu Konzertreisen nach Colchester, und die Musiker der Partnerschule besuchten die Liebigschule 1994, 1998, 2002 und 2008. Jeweils wurden gemeinsame Konzerte veranstaltet, wobei auch beide Orchester zusammen auftraten. Ein besonderes Highlight gab es im Jahr 2009 anlässlich des 100jährigen Bestehens der CCHS: erstmals fuhren Chor und Orchester der Liebigschule mit über 100 Schülern gemeinsam nach Colchester. Im Konzert am 30. Juni in der Charter Hall wurde unter anderem die Kantate "A High School Year" von Jörg Abel für Soli, Chor und Orchester auf einen Text des "Poet in residence", Martin Newell, mit beiden Chören und Orchestern gemeinsam aufgeführt, die speziell für diesen Anlass komponiert wurde (-> DVD-Angebote).

Die Verbindung zu Gießens Partnerstadt Winchester wird gepflegt durch eine Partnerschaft mit WASO, dem "Winchester Area's Schools' Orchestra" und gemeinsamen Konzerten 2000, 2011 und 2014 in Gießen und 2000, 2004, 2009 und 2013 in Winchester.

Weitere Auslandsprojekte waren eine Konzertfahrt des Orchesters nach Versailles in 1994 und zwei Reisen des Chores nach Neapel in 1998 und 2000 mit Gegenbesuchen des italienischen Chores "Ad Torani Aquas" in 1999 und 2001. Einige Schüler und ehemalige Orchestermitglieder nahmen auch an zwei legendären Russlandfahrten teil und konzertierten 1997 und 2002 in St. Petersburg.

Viele besondere Aufführungen listet die Musikchronik in diesen Jahren auf. Im Jahr 1987 gab es ein von Schülern und Lehrern komponiertes Musical ("C'est la vie oder Der Traum des Lehrers Schmidtkunz"), welches auf eine Idee in der Projektwoche 1986 zurückging. 1988 wurde ein Akkordeonkonzert von Fried Walter uraufgeführt. 1991 wurde zum Mozartjahr das ganze Weih- nachtskonzert mit Musik von und über Mozart gestaltet. 1994 und 2009 wurde der Oberstufenchor zur Teilnahme am Landeskonzert "Schulen musizieren" im Kurhaus zu Wiesbaden eingeladen, 1988 und 2001 war es das Orchester. Dass der Chor 2009 dazu den Sonderpreis "Klasse Klassik" für die Darbietung von Werken von Brahms und Rheinberger erhielt, freut uns natürlich besonders. 2005 gab es eine Aufführung des vollständigen Oratoriums "Die Schöpfung" von Haydn; dabei wurden Chor und Orchester von Eltern und ehemaligen Schülern verstärkt (-> DVD-Angebote). Große sinfonische Werke wurden erarbeitet, so Sätze aus Haydns Sinfonie Nr. 104, Beethovens und Schuberts Erster, der "Unvollendeten", der Bizet-Sinfonie u.v.a., auch Solostücke wie Sarasates "Zigeunerweisen" (aufgeführt in Sarasates Geburtsstadt Pamplona), Lalos "Symphonie espagnole", Klavierkonzerte von Schumann, Chopin und Saint-Saens, Webers Klarinetten-Concertino, Mercadantes Flöten-, Mozarts Oboen-, Webers Fagott-, Saint-Saens' Horn- und Haydns Trompeten-Konzert und viele mehr. Den Wünschen der Schüler wurde mit Medleys aus den großen aktuellen Filmmusiken Rechnung getragen.

Schließlich besuchen Schulmusik-Studenten der Musikhochschule Karlsruhe einige Male das Orchester der Liebigschule, um hier praktische Erfahrungen bei der Arbeit mit einem Schulorchester zu sammeln.

Einen besonderen Stellenwert hat die Kooperation mit der Musikschule Gießen (-> Links). Diese städtische Institution unterstützt unsere Schule mit Lehrkräften und Leihinstrumenten. Musikschullehrer arbeiten bei den vokalen und instrumentalen Ensembles der Schule mit und erteilen nachmittags in der Schule Einzelunterricht. Es werden gemeinsame Konzerte veranstaltet, außerdem gibt es ein gemeinsames Percussion-Ensemble und einen Gitarren-Spielkreis.

Im regionalen Musikleben sind Ensembles der Schule gefragte Partner und haben in der vergangenen Zeit unzählige Weihnachtsfeiern, Eröffnungen, Semesterbrunchs und andere Veranstaltungen mit gestaltet und Auftritte in Altersheimen und Kliniken absolviert.

Erwähnenswert ist die Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Gießen. Hier kam es zu einer gemeinsamen Probe unseres Orchesters mit dem Philharmonischen Orchester Gießen im Jahr 2006. Viele Chormitglieder sind zusätzlich im Kinder- und Jugendchor des Stadttheaters aktiv, einige haben bereits solistische Rollen bei Theaterproduktionen übernommen. Schließlich kam es am 15.1.2011 zu einem Konzert im Stadttheater, welches vom Rotary Club Altes Schloss Gießen veranstaltet wurde. Dabei spielte das Orchester, und der Chor 9-13 rundete das Programm ab, welches u.a. aus der Musik zu "Schindler's Liste", Beethovens "Egmont-Ouvertüre", Sibelius' "Finlandia" und der Bach-Kantate Nr. 147 bestand. Der Erlös dieses Benefiz-Konzertes ging an das Gießener Kinderhospiz.

Im Rahmen des 175. Schuljubiläums 2012 gab es am 27.1.2012 ein weiteres Konzert unter der Schirmherrschaft des Rotary Club Altes Schloss im Stadttheater, bei dem ein Ehemaligen-Orchester von etwa 80 Spielern zusammengestellt wurde. Die Teilnehmer kamen aus allen Teilen Deutschlands zusammen, die Cellistin Christiane Appenheimer reiste sogar aus den USA an. Es gab unter dem Titel "Festival der Tiere" die "Diebische Elster" von Rossini, den "Karneval der Tiere" von Saint-Saens und die "Schwanensee-Suite" von Tschaikowsky. Daneben sang der Chor der Klassen 5+6 Katzenlieder, und die Sopranistin Julia Lißel sowie der Bassist Andreas Czerney brillierten mit Soloauftritten. Zum Abschluss des Jubiläumsjahrs gab es im Juli 2012 im Audimax der Uni Gießen ein großes Chor- und Orchesterkonzert mit den "Carmina burana" von Carl Orff.

Auch in 2015 war das Stadttheater der Konzertraum für ein großes Konzert mit dem Titel "Festival of the Proms", welches vom Rotary Club Altes Schloss am 25.2. organisiert wurde. Dieses Mal gab es unter Beteiligung des Orchesters und des großen Chores leichtere Kost mit Titeln wie "Phantom of the opera", "Music", "You've got a friend" und dem unverzichtbaren "Pomp and circumstance" von Edward Elgar.

Außergewöhnlich auch die Konzerte im Januar und Februar 2016 in der Kathedrale von Winchester und dem Stadttheater in Gießen. Bezugnehmend auf die besondere Aufmerksamkeit, die man in England den Ereignissen des 1. und 2. Weltkrieges und der Verarbeitung der Friedens-Thematik schenkt, wurde ein gemeinsames Konzert des Chores der Klassen 8-Q4 und des Hampshire County Youth Orchestra verabredet. Dieses fand am 30.1. in der altehrwürdigen Winchester Cathedral statt und wurde am 19.2. im Stadttheater wiederholt, jedes Mal in Anwesenheit hoher Persönlichkeiten aus Politik und Kultur. Dabei kamen sowohl von der Thematik der Kriege geprägte Musikstücke wie Brahms' "Begräbnisgesang", Mauersbergers Kantate "Wie liegt die Stadt so wüst" und das Finale aus Schostakowitschs 5. Sinfonie zur Aufführung als auch hoffnungsfrohe Beiträge, die dazu ein Gegengewicht herstellten wie die "Hymn to the Fallen" aus dem Film "Saving Private Ryan", das "Ave verum" von Mozart und "Freude schöner Götterfunken" aus dem Finale der 9. Sinfonie von Beethoven. Einen besonderen Akzent setzte die Uraufführung der Kantate "The Lost Wand" des in Winchester lebenden englischen Komponisten Francis Pott, eine Auftragskomposition für dieses Konzert.

Viele hundert Schüler sind in all diesen Jahren an den Chor- und Orchesterauftritten beteiligt gewesen. Wir hoffen und wünschen (und wissen dies aus zahlreichen Rückmeldungen, die uns auch Jahre später noch erreichen), dass sie diese Zeit als positive Erinnerung mitnehmen und somit einen aktiven Beitrag zum Erhalt unserer kulturellen Identität leisten. Wer einmal eine Beethoven-Sinfonie mitgespielt hat, weiß, wieviel harte Arbeit dahinter steckt, aber auch, welch einen unvergleichlichen Genuss das Erlebnis einer Aufführung, zumal mit eigener Beteiligung, mit sich bringt.